1. Schulwoche: Es geht los…

Wie jedes Jahr starten wir Lehrer das neue Schuljahr am Montag um 8 Uhr morgens mit einer kleinen Eröffnungskonferenz in der Aula des Schulhauses. Auf dem Weg in den schönen (aber fensterlosen) Raum rechne ich kurz nach… seit 2007… Das ist tatsächlich meine zehnte Eröffnungskonferenz; ich starte also mein Jubiläumsjahr… Ganz bewusst nehme ich in der hintersten Reihe Platz und muss daran denken, dass das meine neuen 4. Klässler am Mittwoch in meinem Physikzimmer auch versuchen werden. Ich werde sie aber dann direkt in die vorderen Reihen versetzen. Es ist ein altbekanntes Phänomen, dass die ersten Reihen immer als letzte besetzt werden. Wenn man nach den Gründen googelt, findet man auch verschiedene Beiträge, welche einem zu erklären versuchen, warum im Bus die coolen Leute immer hinten sitzen… Wahrscheinlich hängt es einfach mit einem Ur-Verteidigungsinstinkt zusammen: Übersicht behalten und notfalls fliehen können (für letzteres gäbe es allerdings im Bus optimalere Plätze). Lehrer und Schüler sind sich da ziemlich ähnlich.

Es ist eine gute Sache, das Schuljahr mit allen Lehrern gleichzeitig in einer Konferenz zu starten und alle bezüglich anstehender Termine auf einen ähnlichen Stand zu bringen. Der Bergtag beispielsweise findet schon in der dritten Schulwoche statt… Zudem wird in dieser Konferenz jedes Jahr über die Schulordnung abgestimmt. Dieses Jahr betrifft die Änderung zum Vorjahr das zeitlich begrenzte Handyverbot (das Schweizer Wort Natel braucht wirklich fast niemand mehr) für die jüngeren Schüler. Nicht mal 10 Jahre nach dem Erscheinen des ersten iPhones (ebenfalls 2007) ist dieses (mit anderen Smartphones zusammen) ein derart alltagsbestimmendes und damit besorgniserregendes Gerät geworden, dass man als Schule findet, man muss „etwas tun“ (was von Eltern anscheinend sehr begrüsst wird).

Ab dem Nachmittag startet der Unterricht dann ganz normal gemäss Stundenplan. Für mich bedeutet das: Allen neue – in der Sommerpause erstellte und kopierte – Hefter austeilen, je eines mit Aufgaben und eines mit den Beamer-Slides (das „Skript“).

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Es bedeutet auch, Prüfungstermine bekannt zu geben und schnell die Regeln zu den Rahmenbedingungen des Unterrichts zu wiederholen: Blitzer, Hausaufgaben, Mitarbeitsnoten, Benotung allgemein, zu spät kommen oder gar nicht kommen, verpasste Prüfungen… Zu allem schnell sagen wie man’s macht und wie man’s will… Und dann gehts direkt los mit Physik.

Der 358. bis 393. Viertklässler hat in dieser ersten Schulwoche zu hören bekommen, dass Physik eigentlich einfach „Naturlehre“ ist, dass Wikipedia eine bessere Erklärung des Wortes liefert als all die verschiedenen Bände von DUDEN, dass Physiker Experimente machen und aufgrund dessen Theorien aufstellen, die man entweder für sich alleine schon schön findet und wenn nicht, dann dass diese Theorien in der Vergangenheit oft dazu beigetragen haben, unser Leben zu vereinfachen.  Ausserdem ist wichtig zu wissen, dass wir nichts Neues herausfinden werden im Physikunterricht, aber dass man dort eine „spezielle Art des Denkens“ schulen bzw. trainieren kann. Vielleicht nicht die Beste, mit Sicherheit nicht die Einzige, aber ebenso sicher eine wertvolle und oft anwendbare Art. In der ersten Physiklektion bekommen die 4. Klässler auch ihr erstes „Denksel“ – eine Denkaufgabe in der Art eines Rätsels (bei welcher man aber eben nicht raten, sondern denken soll): Angenommen, wir hätten mit Ausserirdischen Kontakt hergestellt – wie könnte man ihnen nun unsere Sprache beibringen? Darüber haben sich schon viele Leute Gedanken gemacht, es gibt Bücher darüber und wir Menschen haben schon Botschaften ins All gesendet, in welchen viele solche „Kontakt-Überlegungen“ drin stecken.
Das Eintrittsticket zur zweiten Lektion war die erste Hausaufgabe: 120 Einheiten umformen; alle erfüllt.

Die 5. Klässler kennen Physik ja schon; sie hatten davon – wenn sie immer anwesend waren – letztes Schuljahr 58 Lektionen, die 6 Prüfungen mitgezählt. Die grösste Neuerung für sie wird wohl sein, dass nicht mehr mein TeXercises die Hauptaufgabendatenbank sein wird, sondern neu das etwas mächtigere taskbase.com. Thematisch beschäftigen wir uns dort mit Kreisbewegunen und eine erste interessante Frage war: Von wo auf der Erde müsste man eine Rakete für einen Mondflug optimalerweise starten? Wusstet ihr, dass Google einen Lunar XPrize Wettbewerb am Laufen hat? Es geht darum, wer zuerst ein Fahrzeug zum Mond fliegen, dort 500 Meter rumfahren und davon HD Bilder zur Erde zurückschicken kann! Leider etwas zu ehrgeizig für eine Maturaarbeit.

Gespräche und Gedanken zur Raumfahrt habe ich bis in die Lehrercafeteria getragen. Spannend ist ja, dass Elon Musk, der Erfnder des Tesla Autos auch noch eine weniger bekannte Firma SpaceX hat. Die sind auf Raumflüge spezialisiert und mittlerweile besser als die NASA… Musk hat es geschafft, eine Rakete ins All zu bringen, umzukehren und wieder auf einer Plattform im Meer zu landen.

Der Mond ist für Musk auch ein wenig zu nahe. Er will zum Mars, zumindest sein erklärtes Ziel…

Und dann sind da noch die ältesten Schüler, die Maturanden… Für sie geht es dort weiter, wo die 5. Klasse aufgehört hat… Beim „Strom“… Jetzt wird die Elektrizität mit dem Magnetismus verbunden. Darüber wissen die Meisten aus der Naturlehre schon eine Menge: Nord- und Südpol, Kompassnadeln, Elementarmagnete… Aber wie man aus zwei identischen Eisenstäben, wovon nur einer magnetisch ist genau denjenigen auswählen kann – das ist dann doch ein Denksel, welches ohne Hilfe selten jemand lösen kann…

Das ist stark zusammengefasst meine erste Woche…

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