2. Ferienwoche: Höchstalter

Ich habe wirklich täglichen Kontakt mit ehemaligen Schülern (Mehrzahl). Vergangene Woche wurde ich z.B. gefragt, ob das „Physikzeug in Big Bang Theory“ stimmt, wie das mit dem täglichen Wassertrinken ist, ob ich Volleyball spielen kann, ob ich bei Differentialgleichungen helfen kann, was man bei zu hohem Blutdruck machen könnte, wie ich mit einem speziellen (Primar-)Schülerverhalten umgehen würde, ob ich einmal jemandem erklären könnte, wie man am Besten mit Kämpfen anfängt etc. Ich habe aber nicht nur in sozialen Netzwerken oder in einem der vielen Instant-Messaging-Apps Kontakt, sondern auch persönlichen. Viele Ehemalige kommen regelmässig oder unregelmässig zum Training vorbei, andere zum Billard und erzählen aus ihrem zwischenzeitlich Erlebten. Und weil gesundes, langes Leben von vielen als eines meiner Lieblingsthemen wahrgenommen wurde, bekomme ich natürlich auch sofort mehrfach Fragen oder Hinweise, wenn 20 Minuten wie letzte Woche so etwas schreibt: Ist mit 125 Jahren wirklich Schluss? Dabei geht es gar nicht so sehr darum, ob mit 90, 125 oder 140 Jahren Schluss ist. Denn – das ist sicher – irgendwann ist Schluss.

Der 20-Minuten-Artikel zeigt gut auf, mit welcher Art „Wissenschaft“ die Bevölkerung täglich in Kontakt kommt. Mich berührt das ehrlich gesagt nicht so, solche Artikel ziehen meine Aufmerksamkeit gar nicht erst auf sich, weil ich zu solchen Themen 20 Minuten höchstens zu meiner Belustigung konsultiere. Der Reihe nach: Unter Forschern ist ein Streit darüber entbrannt, wie lange ein Mensch leben kann. Eher unwahrscheinlich, Forscher streiten selten. Die einen setzen das Limit bei 125 Jahren an, andere halten das für Mumpitz. Mumpitz, soso. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch jemals älter als 125 Jahre werde, sei extrem gering. No kidding? Dafür braucht man doch keine Wissenschaftler. Oder wie viele Leute um dieses Alter herum kennt ihr so? Eben, auch keine. Also ja, die Wahrscheinlichkeit ist gering. Nun wird auf Nature verlinkt. Nature ist ja die interdisziplinäre Fachzeitschrift überhaupt. Folgt man dem Link, findet man sogar die Wahrscheinlichkeit: the probability of a person exceeding 125 in any given year is less than 1 in 10,000. Mit anderen Worten 125 zu werden ist viel wahrscheinlicher als im Lotto zu gewinnen! Sehr viel sogar: Im Schweizer Lotto „Swisslos, 6 aus 42“ beträgt diese Wahrscheinlichkeit 1 zu 6.3 Millionen. Das verstehe ich unter „extrem gering“. 1 zu 10’000 ist dieselbe Wahrscheinlichkeit wie jene, dass man beim Anziehen der Hosen verunfallt und ins Krankenhaus muss (ohne Witz). Weiter: Der Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung im deutschen Rostock, James Vaupel, hält dagegen: Die Studie trage nichts zum wissenschaftlichen Verständnis davon bei, wie lange wir leben. Ja, das sehe ich ähnlich wie dieser Direktor. Es sind empirische Studien, man schaut rein statistisch wann wo von wie vielen Leuten welches Alter erreicht wurde. Aber was möglich ist beantwortet man dadurch nicht.

Die Rangliste der Todesursachen bei über 65-Jährigen sind Herzerkrankungen, Schlaganfälle, Tumorkrankheiten, Pneumonien und Atemwegsinfekte. Die Daten habe ich aus dem Buch Physiologie kompakt (Link siehe unten), schon etwas älter aber viel wird sich da kaum geändert haben. Wichtig: Das sind alles Krankheiten. Dass diese Krankheiten ihre Ursache im Alter haben muss nicht sein. In anderen Worten: Zwar treten diese Krankheiten mit zunehmendem Alter eher mit tödlichen Folgen auf (die beiden Dinge Alter und Krankheit korrelieren also), aber es muss keine direkte Kausalität dahinter stecken. Es könnte ja sein, rein hypothetisch, dass der Körper nicht wegen der grösser werdenden Kerzenzahl auf dem Geburtstagskuchen eher krank wird, sondern dass er diese einfach schlechter bekämpfen kann. Das wiederum, weil er weniger Reserven hat. Das wiederum, weil er über Jahre schlecht bewegt und versorgt wurde. Mittlerweile ist das auch etwas mehr als eine Hypothese. Es gibt starke Hinweise darauf, dass falsche und schlechte Ernährung verschiedene Zivilisationskrankheiten zumindest stark begünstigen – vorsichtig ausgedrückt.

Wie so eine optimale Versorgung und Bewegung des Körpers auszusehen hätte, wäre noch zu klären. Aber angenommen, das würde die ganzen Krankheiten, welche bei Alternden zum Tode führen, tatsächlich verhindern – würde man dann ewig leben? Nein. Und ich staune, dass das keiner von den Zitierten im 20 -Minuten-Artikel erwähnt hat. Weil das eigentlich bekannt ist. Unser Körper besteht ja aus rund 100 Billionen Zellen, die sich vor zu über Mitose teilen, wodurch pro Sekunde 50 Millionen neue Zellen entstehen, während die alten Zellen absterben. Entscheidend ist nun, dass dieser Prozess nicht ewig dauern wird! Telomere beschränken das Prozedere: Mit jeder Zellteilung werden die Telomere verkürzt, da die DNA-Polymerase am Folgestrang nicht mehr ansetzen kann. Unterschreitet die Telomerlänge ein kritisches Minimum von circa 4 kbp, kann sich die Zelle nicht mehr weiter teilen. Irgendwann ist also Schluss. Die Geschwindigkeit der Zellteilung im Menschen wird ebenfalls durch verschiedene Faktoren (wozu auch die Ernährung, Stress etc. gehören) beeinflusst, aber trotzdem kann man berechnen, wie weit das in etwa reicht und einige Quellen geben Obergrenzen von etwa 130-150 Jahren an. Ausser jemand findet Wege, diese Zellteilungsgeschwindigkeit auch noch signifikant zu senken…

Noch entscheidender als möglichst alt zu werden ist in meinen Augen aber, wie die letzten 10 Jahre des Lebens aussehen werden, was in folgendem Kurzfilm gut veranschaulicht wird:

Und wenn ich schon bei 20 Minuten bin: Dort stand diese Woche noch etwas anderes Interessantes: Mathe-Aufgabe endete in einer Messer-Attacke. Mathe-Aufgabe und Messer-Attacke haben zu etwa gleichen Teilen meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ich komme auch mit beidem ähnlich gut klar… Es geht um die folgende Aufgabe:

Die Hälfte meiner Zahl ist die Hälfte von 400.

Vorweg: Die Lösung ist 400 – und nicht etwa wie vom Messerstecher angenommen 100. Wenn wir uns einig sind, dass „die Hälfte von 400“ nun 200 sind, so folgt: Die Hälfte meiner Zahl ist 200. „Ist“ übersetzt man gemeinhin mit „gleich“, also „=“. (Genau so wie der Satz „F ist zweihundert Newton“ die Gleichung F = 200 N beschreibt.) Die „Zahl“ wird in der Mathematik immer mit x bezeichnet. Die Hälfte ist 1/2. Damit kommen wir bei

20minx

an. Also ist die gesuchte Zahl 400. Aber was erwartet man. So eine Textaufgabe sollte wirklich jeder Mittelschüler in obige Algebragleichung übersetzen können; und diese dann selbstverständlich auch lösen können. Es gibt da viel schwierigere Textchen… Zum Beispiel jenes, mit dem mein Vater nach Hause gekommen ist, als ich in der 3. Primarklasse war:

Maria ist 24 Jahre alt.
Maria ist doppelt so alt wie Anna war,
als Maria so alt war wie Anna heute ist.
Wie alt ist Anna?

Schreibt eure Lösungen mal in die Kommentare. Inkl. wie man diesen Text in Algebra übersetzt. Ich bin gespannt…

 

2 responses to “2. Ferienwoche: Höchstalter

  1. Maria heute = 24
    Anna heute = x

    Maria damals = x
    Anna damals = 12

    Daraus ergibt sich:
    24 – x = x – 12 x = 18

  2. Ziemlich gut, Nathalie!

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