6. Schulwoche: Interessant ist anderes

Bei den 6. Klässlern habe ich diese Woche über etwas eher Interessantes gesprochen – den Elektromotor. Schon das Wort alleine scheint Interesse zu wecken, denn in der Elektromotor-Stunde sind wirklich immer alle dabei. Vielleicht auch, weil wir Elektromotoren täglich zumindest indirekt brauchen. Lüfter am PC, Zeitungsdrucker, Küchengeräte, Waschmaschine, elektrische Zahnbürste oder Haarfön, Bus oder Elektrovelo – die Liste lässt sich stark erweitern. Hinzu kommt, dass das Schulmodell des Elektromotors auch schon ein ziemlich beeindruckendes Gerät ist, welches trotz nur 40 V Spannung schon eine unerwartete Kraft entfaltet. Man kann sich dann gut ausmalen, was bei einem Motor an 240 V oder rund 400 V möglich ist. Ich habe die Wucht des Motors vor vier Jahren (5. September 2012, ein Mittwoch… warum ich das schreibe wird später klar) sogar selbst zu spüren bekommen, weil ich damals aus Versehen beim Erklären meinen Zeigefinger in den Rotor gehalten habe… Die Fingerkuppe ist anschliessend nur noch auf dem Rest des Fingers geschwebt. Ich habe sogar ein Bild davon:

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Auf jeden Fall ist es jedes Jahr dasselbe… Alle versuchen die „Rechte-Hand-Regel“, welche für die hier entscheidende Lorentzkraft gilt, praktisch hinzukriegen. Will heissen: Daumen auf die Stromrichtung, Zeigefinger in die Richtung des Magnetfeldes und der Mittelfinger zeit dann die Kraft an. Da man aber die Finger nicht standardmässig in rechten Winkeln hält und sie alle unabhängig in beliebige Richtungen zeigen lassen kann, bekommen das wirklich nie alle hin. Auch mit Hilfe nicht. Auch nach mehrmaligem Erklären nicht.  Auch wenn Mitschüler es mit einer „besseren“ Erklärung versuchen: Finger sortieren bleibt für viele ein Challenge. Das toppt sogar die Frage, ob das Erdmagnetfeld überall nach Norden zeigt… (Ja, tut es. Zumindest ist das die Antwort darauf, wie die Frage gemeint war. Ansonsten ist die Antwort nein. Alleine schon deshalb, weil der geografische Norden nicht mit dem magnetischen Süpol dort übereinstimmt. Der wandert nämlich ziemlich fest.)

Bei den 5. Klässlern geht es nach wie vor um Kreisbewegungen. Und dabei diskutieren wir immer wieder ein wenig Raumfahrt. Zwar kommt wahrscheinlich der Traumberuf Astronaut bei 17-Jährigen nicht mehr ganz so oft vor wie bei 5-Jährigen – aber interessant ist es allemal. Mittlerweile ist den 5. Klässlern klar, dass man eine Rakete am Besten in der Nähe des Äquators startet, weil sie so durch die Rotationsgeschwindigkeit der Erde eigene Geschwindigkeit mitbekommt. Gratis sozusagen. Es ist auch klar, dass Astronauten in einer Raumstation – entgegen der häufigen Annahme – nicht wirklich schwerelos sind. Die werden von der Erde angezogen! In Wirklichkeit sogar etwa gleich stark wie wir hier unten auf der Erde (sie sind ja auch nur etwa 400 km in der Höhe). Sie sind nur so schnell, dass sie immer an der Erde vorbei fallen. Aber sie fallen; mit fast 9.81 m/s2, wie wir. Und daraus ergab sich diese Woche eine interessante Frage: Was passiert, wenn man einen Stein aus der Raumstation auf die Erde herunter werfen will? Wo landet der? Ich will hier nicht zu viel verraten, wen’s wirklich interessiert kann hier nachlesen oder dieses Video schauen:

Um Werfen ging es auch am Dienstag – in der ersten Prüfung meiner neuen PAM-ler, der zukünftigen Elite also. Sagen wir es so: Es ist noch ein langer Weg… Aber definitiv nicht aussichtslos.

Wenn nicht gerade Prüfung ist, also in normalen Schulstunden, ist aber meist interessant, was nicht gerade Schulstoff ist. Dabei geht es nicht mal um schwierig oder einfach. Angenommen ich sage beiläufig einem Schüler, dass sein Geburtsdatum (28. August 1998) ein Freitag war, so sind alle sofort voll dabei. Wie macht er das? – Ich verrate diesen Trick eigentlich ähnlich ungerne wie denjenigen, wie man Wurzeln auf 3 bis 4 signifikante Stellen berechnen kann (natürlich im Kopf) . Aber das interessiert die Leute; so wie die Geschichte, wie ich schwimmen gelernt habe oder mein Schlafverhalten. Das wurde in meinem ersten Schuljahr nämlich getestet. Während dieser Geschichte sind wir auf die (beste) Fernsehserie (überhaupt) „24“ gekommen, welche mittlerweile schon so alt ist, dass sie nicht mehr alle Schüler kennen. Das ist grob erstaunlich und daran merke ich, dass ich tatsächlich auch älter werde. Diese Serie habe ich nämlich die ganze Nacht hindurch geschaut vor meinem Bewerbungsgespräch am 13. Dezember 2006 (es war ein Mittwoch). Das ist fast genau 10 Jahre her. Welche Serien gerade in sind (z.B. Black Mirror, Game of Thrones, Vikings oder Ähnliches) und da ein wenig mitreden können –  das ist als Lehrer irgendwie wichtig und geht fast schon unter Vorbereitung.

Unter Vorbereitung geht auch, in China einen 10 Watt Laser zu bestellen. Einen, mit dem man Streichhölzer knapp anzünden kann. Vielleicht kann man ihn einmal verwenden für eine Maturaarbeit, irgend ein Signal auf den Laser modulieren und durch die Gegend schicken. Fällt mir gerade ein, weil ich diese Woche die 23. Maturaarbeitsdokumentation erhalten habe, darin geht es darum, wie man sich selbst ein Periodensystem mit realen Proben der Elemente herstellen könnte. Diese Dokumentation habe ich am Wochenende ein erstes Mal gelesen. Lehrer arbeiten eben auch am Wochenende.

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