10. Schulwoche: Weiterbildung

Einmal mehr habe ich mich letzte Woche mit Ehemaligen getroffen; nicht so richtig fest Ehemalige (Matura vor vier Monaten), aber dennoch Ehemalige. Dabei habe ich gelernt, dass meine Posts in diesem Blog zu lange sind. 900-1200 Wörter, welche ich so ungefähr als Ziel anstrebe, sei zu viel. Das sei ja so viel wie in einem Deutschaufsatz – einfach zu viel. Ausserdem wurde ich von der Kellnerin dort gefragt, ob ich einen Sportverein leite, dass ich immer mit so Grüppchen unterwegs sei. Physiklehrer hat sie mir nicht so recht abgenommen, aber das kenne ich ja schon…

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Abgesehen von diesem Treffen wäre die vergangene Woche eine ganz gewöhnliche Schulwoche geworden. Es gibt drum wirklich wenige Schulwochen, in welchen ein Lehrer einfach nur nach seinem Stundenplan unterrichtet – also jeden Tag genau nach Stundenplan, nichts mehr und nichts weniger. Das würde heissen, jede Klasse ist immer da, der Lehrer ist immer da und es finden keine Elternabende, keine Sitzungen, keine Konferenzen etc. statt. Von den vergangenen 10 Wochen war genau eine so für mich – die direkt nach den Herbstferien. In allen anderen Wochen haben zusätzliche Events stattgefunden. Letzte Woche war keine normale Woche, weil ich am Freitag an einer Weiterbildung gewesen bin. Ich stehe offen dazu: Weiterbildung ist zwar wichtig, aber ich bin kein sehr grosser Fan davon diesen Veranstaltungen. Deshalb gehe ich auch wenig. Ich bin ein Anhänger von Autodidaktik und wir leben in einem Zeitalter – das wissen die Schüler nur zu gut – wo man auf dem Internet (nebst vielem schlechtem Material) sehr viele gute Bildungsangebote findet. Es gibt praktisch kein Thema, für welches man nicht Foren, Trainings- bzw. Lern-Apps, Online-Bücher oder eben sehr gute Video-Tutorials, Tipps und anderes findet. Ausserdem ist an eine Veranstaltung gehen, eben ähnlich wie in die Schule zu einem optimalerweise guten Lehrer zu gehen, nur die halbe Miete, wenn überhaupt. In erster Linie bedeutet ja zu lernen (also sich irgend eine Fähigkeit anzueignen), dass man selbst etwas tut, sich selbst misst, sein Tun wieder anpasst etc., bis man in diesem Tun einen gewissen gewünschten Standard erreicht und man es Fähigkeit nennen kann. Es ist das, was praktisch alle Freaks machen, egal ob es Nerds, Skateboarder oder Spitzensportler sind. Da ist sehr viel Eigenleistung drin. Ein Lehrer kann dabei zwar helfen, weil die Aussensicht, also die Messung des Tuns, in praktisch allen Fällen genauer ist, als die eigene Beurteilung von sich selbst. Lernen an sich kann er aber niemandem abnehmen. Trotzdem habe ich mich vergangene Woche wieder einmal zu einer Weiterbildung angemeldet, vor allem aus zwei Gründen: Erstens weil sie von der ETH angeboten wurde und ich von dieser Schule eine Menge halte. Und zweitens, weil das Thema, „Mobile Geräte im Physikunterricht“, gerade brandaktuell ist. Was an Apps vorgestellt wurde, die gezeigten Möglichkeiten etc. haben nicht unbedingt überrascht – man kennt es schon aus verschiedenen Quellen. Das Interessanteste war eigentlich der Austausch mit den anderen Teilnehmern darüber, welche Schule mit diesen mobilen Geräten wie umgeht, welche Erfahrungen sie sammeln im Unterricht mit den verschiedenen Modellen, welche Probleme aufgetreten sind etc. Auch die Sicht der Professoren, dass man schon an der Türe zwischen zwei Typen von Studenten unterscheiden kann, demjenigen mit dem Ordner und demjenigen mit dem Tablet, hat für Gelächter gesorgt. Vor vier Jahren wären alles noch Ordner-Typen gewesen, und im Moment wäre ein ganz schneller Wechsel im Gange…

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Ausserdem gab es diese Woche wieder einmal – seit langem – zwei mehr oder weniger schlaflose Nächte. Die Runden 3 und 4 an der Schachweltmeisterschaft in New York waren echte Thriller. Beide Spiele haben knapp nicht 7 Stunden gedauert – also von abends 20 Uhr bis knapp 3 Uhr in der Nacht. Ich habe beide Male so um Mitternacht auf worldchess.com reingeschaut und bin dann hängen geblieben. Wenn man um 07:35 Uhr wieder unterrichten muss ist man dann natürlich nicht optimal erholt, aber es lohnt sich allemal. Am Dienstag hat mich am Mittag – ich war gerade in der Lehrercafeteria – direkt noch Radio Sunshine angerufen und gefragt, ob ich für’s Radio kurz etwas zur Schachweltmeisterschaft sagen könnte. Das war für mich sehr erstaunlich – erstens hatte ich mit denen nie etwas zu tun und zweitens ist die Sache mit Rivella und Schachboxen jetzt doch auch schon fast 7 Jahre her. Aber irgendwie bin ich immer noch als Boxer und Schachspieler in den Köpfen der Leute. Ich habe euch den Podcast zu meinem kurzen Beitrag einmal hochgeladen. Aktuell sind sechs Partien gespielt – alle Unentschieden. Am Sonntag geht die zweite Hälfte los – diesmal startet der Herausforderer Karjakin mit den weissen Figuren.

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