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7. Schulwoche: TV und Ehemalige

Wenn ich Emails von der Verwaltung der Schule weitergeleitet bekomme, handelt es sich meist um Werbung von irgendwelchen Lehrmittelfirmen oder sonstige naturwissenschaftlich verwandte Newsletter. Deshalb war ich am Montag morgens, als ich auf die Schüler wartend am Handy die neuen Emails durchgesehen habe, recht überrascht, dass da eine mit dem Betreff „Maturarede“ dabei war. Da lässt ein ehemaliger Kollegi-Schüler – er hat vor 50(!) Jahren hier die Matura gemacht – ausrichten, dass er meine Rede genossen hat und das Erdbeerdenksel sogar seinen Kindern und Maturakameraden weitergeleitet hat. Daran ist wirklich vieles erfreulich: 1. Er interessiert sich auch nach einem halben Jahrhundert noch für „seine“ Schule; d.h. er hat ein positives Bild davon. 2. Er führt mit seinen Kindern intelligente Gespräche, wenn er ihnen von einem Erdbeerdenksel erzählt. 3. Er hat immer noch Kontakt zu seinen damaligen Maturakameraden. Zu allen drei Punkten kann ich eigentlich nur gratulieren. Hoffentlich werden auch die Maturanden, welche ich in den zwei Stunden danach „empfangen“ habe, in 50 Jahren ihren Kindern noch vom Kollegi erzählen. Und wenn nicht von der Schule an sich, dann vielleicht etwas von den Dingen, welche sie dort gelernt haben. Der Lautsprecher eignet sich dafür sehr gut – schliesslich ist auch er (wie der Elektromotor von letzter Woche) ein Gerät, welches wir jeden Tag „brauchen“. Auch dann, wenn wir nicht aktiv mit Kopfhörer am/im Ohr durch den Tag laufen (eine Sache, die ich noch nie verstanden habe). Denn nicht nur Radio, Fernseher, PC und Handy oder Tablet senden über Lautsprecher Schallwellen aus, auch Durchsagen am Bahnhof, im Zug und im Bus sowie die Schulklingel stossen solche Druckluftwellen durch die Gegend, die dann unser Ohr erreichen. Alles Lautsprecher, deren Membran sich der Lorentzkraft gehorchend schnell (20 bis 20-tausend mal pro Sekunde) auf und ab bewegt. Das was bei den anschliessend empfangenen 5. Klässler aus ihrer Stunde in 50 Jahren noch als Erinnerung übrig bleiben wird ist hingegen kaum Physik: Sie machen seit Anfang des Schuljahres eine Strichliste, wie viele Fehler ich mache. (Randbemerkung: Es sind bis jetzt sechs. Wobei die Hälfte wahrscheinlich ohne einen Fehler von mir zustande gekommen ist.)

Mit den PAM-lern habe ich abgemacht, dass Wochentagrechnen an der nächsten Prüfung eine Zusatzaufgabe sein wird. Also z.B. welcher Wochentag war der 2. Januar 1578? Irgendwie sind wir dann auf meinen Blog gekommen (also diese Seite hier). Obwohl ich auf Instagram mal ein Bildchen gepostet hatte, wissen viele immer noch nicht davon. Die Hashtags auf dem Bild (#abersiepunktceha) sortieren ja auch gewollt die Leserschaft aus… Ich habe in der Stunde dann erfahren, dass RTL das Gegenteil macht und mit der Seite RTL-nau.de (in Anlehnung an RTL now) ihre Kundschaft genow abholt. Das wusste ich nicht; ich habe zwar schon gehört, dass RTL nicht gerade die intelligentesten Sendungen ausstrahlt und man sich bei verschiedenen Talkshows fragt, ob diese Dummheit der Leute dort echt ist oder gespielt, aber „Fernsehen“ liegt bei mir echt weit zurück. Erstens hatte ich als (einziges) Kind in der Primarschule keinen Fernseher zu Hause. Dann haben meine Eltern als ich in der 5. Klasse war einen gekauft – aber ich habe auch dann nur RamboKarate Kid und Karate Tiger aufgenommen und geschaut (Szene ab 46:48 gefühlte 1000 mal). Später im Studium hatte ich nie einen Fernseher im Zimmer – und seit 10 Jahren kein Ferhseh-Abo in meiner Wohnung.

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Man würde ja eh glauben, dass Fernsehen an sich im Jahr 2016 ein wenig vorbei ist. Wer sitzt schon zu einer bestimmten, in einem Programm festgesetzten Zeit vor den Bildschirm, um sich etwas anzusehen? Das hat auch irgendwie eine psychologische Komponente. Ich will nicht, dass der Fernseher sozusagen (mit)bestimmt, was in meinen Kopf gefüllt wird und damit auch ein wenig was und wie ich denke. Ich suche mir meine Inhalte lieber selber aus. Das geht heute recht gut. Auf YouTube, Netflix, Dazn etc. kann man selbst entscheiden, wann man was schaut und damit wie man in Zukunft ist.

Selbstverständlich habe ich auch diese Woche wieder verschiedenste Fragen von ehemaligen Schülern bekommen. Darunter eine bezüglich Survival… Auf Instagram wurde folgendes Bild gesehen:

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Hier vier Gegenstände auszuwählen ist fast schon Luxus… Der eine in diesem Gruppenchat hätte Messer, Streichhölzer, Erste-Hilfe-Kasten und den Volleyball gewählt; der andere Messer, Seil, Streichhölzer und den Wasserreiniger. Es gibt viele solche Überlebens-Überlegungen-Denkaufgaben. Nicht nur für eine verlassene Insel, sondern auch für Schiffbrüchige auf dem Meer oder sogar Astronauten auf dem Mond. 10 Gegenstände, wähle aus. Was jemand auf die einsame Insel mitnimmt ist übrigens auch eine gute Frage, um die Person besser kennen zu lernen. Mir hat einmal eine gesagt, sie würde eine Zahnbürste, Kaugummi und Musik mit auf eine einsame Insel nehmen… Aber zurück zum Thema: Absolut wichtigster Gegenstand in einer Survivalsituation an Land auf der Erde hat immer ein Messer. Mit dem Messer kann man sich alle anderen Gegenstände auf der Liste früher oder später herstellen. Das Messer würde einem auch extrem bei der unmittelbar wichtigsten anstehenden Aufgabe helfen: Feuer. Ohne Feuer kann man kein Wasser und keine Pflanzen abkochen und sich so vor Infekten schützen – oder überhaupt Nahrung zubereiten. Nummer zwei wären also die Streichhölzer. Und eben… Kochen. Ein Gefäss herzustellen, in welchem man kochen kann – das wäre möglich, es gibt zig Varianten, aber das ist aufwändig. Deshalb wäre der Kochtopf die Nummer drei. Der nächste Gegenstand ist schon fast Luxus. Ich würde das Zelt wählen. Nachts ruhig zu schlafen um ausgeruht zu sein, vor der Witterung und Insekten geschützt zu sein – dafür wäre das Zelt Gold wert. Alles andere auf der Liste ist totale Nebensache. Das ist auch der Grund, warum Bear Grylls am Anfang seiner Man vs. Wild Sendungen immer sagt, dass er nur ein Messer, ein Flint (Feuerstein) und eine Wasserflasche dabei hat – nebst einem Kamerateam… Übrigens: Bear heisst eigentlich gar nicht Bär. Er heisst Edward und hat sich den Übernamen Bear selbst gegeben, im Gegensatz zu mir: Ich wurde wirklich Urs getauft, mit dem lateinischen Namen des Bären…