Category Archives: The Big Bang Theory

2. Schulwoche: Alltag

Die Sommerferien sind schon wieder weit weg, an den neuen Stundenplan hat man sich zwar noch nicht gewöhnt – aber im „Schule-geben-Gefühl“ ist man schon wieder voll drin.

Die 5. Klässler konnten im Vergleich zu anderen Jahrgängen damit brillieren, dass sie verstehen wie die Mondphasen zustande kommen (für einige war allerdings sogar der Begriff neu). Auch, dass es in Rom schneller Nacht wird als in London (also die Dämmerung im Süden kürzer ist) wussten sie, teils sogar aus Erfahrung. Trotzdem hoffe ich, dass die erklärende Skizze die Erfahrung in Zukunft durch Verständnis ergänzen wird. Die ganze Himmelsmechanik – wir steuern darauf zu, im Moment sind wir eigentlich erst bei Kreisbewegungen – hängt selbstverständlich an der Gravitation. Um diese ging es im weiteren Sinn auch in der Lehrercafeteria, weil ich dort einem interessierten Kollegen von guten Online-Vorlesungen der Stanford University erzählt habe. Die 10 mehr als 90 Minuten dauernden Vorlesungen von Professor Susskind zum Thema Allgemeine Relativitätstheorie kann man sich auf YouTube ansehen:

Die Allgemeine Relativitätstheorie geht davon aus, dass man Gravitation nicht von einem sich beschleunigenden Bezugssystem unterscheiden kann… Das ist eine an sich einfache Aussage, aber die Behandlung ist mathematisch ziemlich aufwändig… Ziel ist jetzt auf jeden Fall, diese Vorlesungen nochmals durchzusehen und evtl. mit diesem einen Lehrerkollegen zusammen zu Experten zu werden darin. Das ist eine von vielen schönen Seiten am Lehrerberuf: Man kann sich um Wissen kümmern um des Wissens willen. Nicht, weil man damit eine Prüfung schaffen oder damit etwas erschaffen muss. Einfach nur der Bildung wegen – und genau das hilft uns, wenn wir beibringen und erklären sollen. YouTube und andere Online-Channels, teils von den Universitäten selbst, sind diesbezüglich schon sehr cool. Man kann mit einem Tablet von zu Hause aus, im Bett liegend, jeden Abend theoretisch verschiedenste Vorlesungen „belegen“ und sich Wissen auf höchstem Niveau aneignen. Stans ist ja nicht gerade eine Universitätsstadt, wo man als Hörer mal eben in eine Uni reinsitzen könnte. Ich habe bei diesem Gespräch um diese Videos auch den Gedanken geäussert, dass es eigentlich noch cool wäre, man hätte das auch an einer Mittelschule. Angenommen, es gäbe tatsächlich zwei, drei Rentner oder sonst Leute mit Zeit und Interesse an Physik – es wäre irgendwie eine Bereicherung, wenn die auch mit den Schülern, die ein Maturazeugnis brauchen, in den Unterricht sitzen würden um Physik zu lernen. Zu Ende gedacht ist dieses Modell einer „öffentlichen Schule“ sicher noch nicht, aber der Gedanke daran hat erstmal seinen Reiz… Ich habe nämlich Freude an Besuch in meinem Unterricht. Das ist eigentlich auch das Beste an den „Q-Gruppen“ – Lehrergrüppchen, welche sich untereinander während des Schuljahres besuchen. Das Grüppchen, welchem ich angehöre ist am Mittwoch zusammengesessen und hat abgemacht, wer wen besucht. Ich bekomme zweimal Besuch demnächst *freu*. Aber auch ohne Q-Gruppe kommt es öfters vor als man vermuten würde, dass jemand spontan vorbeischaut. Meistens sind es ehemalige Schüler; so auch in dieser erst zweiten Schulwoche, wo drei ehemalige (alle aus anderen Klassen) die ganze PAM-Doppelstunde der 5. Klässler geblieben sind. Als ausgebildeter Jäger weiss ich vom Spruch „Berg rauf und runter halt immer ein bisschen drunter“ – welchen die PAMler in dieser Lektion zum Thema Schiefer Wurf physikalisch erklären sollten. Fast interessanter aber fanden alle das 100er Spiel: Einer fängt an mit einer Zahl zwischen 1 und 10. Der nächste darf eine Zahl sagen, welche höchstens um 10 grösser ist, das geht abwechselnd weiter. Derjenige, der zuerst 100 sagen kann, hat gewonnen. Es spricht für die PAMler, dass sie das Prinzip noch während der Lektion herausgefunden haben (nachdem aber alle einmal gegen mich verloren haben).

Die angeschnittene Allgemeine Relativitätstheorie ist wie erwähnt eher kompliziert und wird standardmässig selten unterrichtet. Wenige kennen sich damit aus. Anders verhält es sich mit der Speziellen Relativitätstheorie. Die PAMler werden davon im zweiten Semester einiges lernen. Die eine Hälfte davon kennen alle 4. Klässler ab der dritten Lektion, so auch die Neuen jetzt: Die Physik ist in jedem sich gleichförmig bewegenden System dieselbe. Deswegen ist man im Lift, wenn man aufspringt, immer gleich lang in der Luft, egal ob der gerade auf- oder abwärts fährt. Und deshalb kann man im Zug Kaffee trinken oder im Flugzeug ein Bällchen aufwerfen und alles verhält sich wie auf dem Erdboden. Komisch wirds erst, wenn das Licht dazu kommt. Die Erklärung spare ich mir für’s zweite Semester. Aber es sei noch angemerkt, dass wir in der 4. Klasse im Schulzimmer die Lichtgeschwindigkeit ausgemessen haben. 7.5-mal um die Erde pro Sekunde, so schnell ist es. Und ich habe den Schülern ein starkes Logik-Denksel gegeben, welches die Mächtigkeit von „Bildern im Kopf“ vorführen sollte. Aufgrund der Feedbacks muss ich sagen: Mission accomplished.

Das ist jetzt gesucht, aber auch das Thema der 6. Klässler hat ein wenig mit Relativitätstheorie zu tun… Sie wissen jetzt, warum wir uns kleinste Elementarmagnete vorstellen und es (bis jetzt) unmöglich ist, einen isolierten magnetischen Nord- oder Südpol zu haben. Die beiden treten immer zusammen auf – weil sie salopp ausgedrückt immer ein Nebenprodukt der Elektrizität sind. Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory forscht im Bereich der Stringtheorie, welche versucht, die Relativitätstheorie mit dem Elektromagnetismus zu vereinigen. Dafür reist er irgendwann (Season 3, Episode 1) zum (geografischen) Nordpol, um eben einen magnetischen Monopol zu finden; hier die Szene der Rückkehr:

Allerdings stellt sich aber heraus, dass Sheldons Kollegen dessen Experiment gestört haben, so dass es falsche Daten produziert hat. Am Besten schaut ihr einfach die Folge.

Und dann war diese Woche noch ein „SchiLW“ – schulinterne Lehrerweiterbildung – ein weiteres Mal zum Thema „Klassenzimmer vs. Fachzimmer“. Kurz zusammengefasst: Nachdem wir den Plan zu diesem Projekt „Fachzimmer“ schon im letzten Schuljahr anschauen und Rückmeldungen geben durften, diese nun eingeflossen sind und man nun einen „Plan 3.0“ hat, sollten wir abermals diskutieren und aufschreiben, was man denn weiter verbessern könnte bzw. an was noch gedacht werden muss. In meiner Gruppe kamen da nur noch Details zum Vorschein. Die grosse Frage wird bald sein macht man’s oder lässt man’s…