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3. Schulwoche: Bergtag

Ich bin ehrlich: Damals, als Schüler, fand ich Bergtag, Skitag und Co. eigentlich überflüssig und nicht zur Aufgabe einer Schule gehörend. So sehe ich das ein Stück weit heute noch – selbstverständlich ist es nicht Kernaufgabe einer Schule irgendwelche Ausflüge wie ein Bergtag zu organisieren. Aber sein Dasein im Semesterplan hat durchaus seine Berechtigung. Ganz so sozial fördernd wie man ihn oft beschreibt ist er evtl. schon nicht, wenn eine ganze oder halbe Klassenstufe hintereinander über einen Wanderweg geht. Trotzdem, zumindest aus Lehrersicht, habe ich so mit einigen Schülern längere Gespräche geführt, ihnen untereinander zugehört, so einiges aus ihrem Leben erfahren und dabei auch selbst einiges aus meinem Leben preisgegeben. Das ist irgendwie wertvoll, denn wenn man sich persönlich näher steht und als Menschen kennt, lässt es sich aus Lehrersicht einfacher unterrichten – und aus Schülersicht ist man wohl etwas offener. Zumindest erlebe ich es so. Der Bergtag ist meistens auch der Tag, an dem ich eine Auswahl aus den „Top 10“ aller mir gestellten Fragen bekomme. Unangefochten Nummer 1 ist ja seit 9 Jahren: „Sie, wieso lönd Sie sich eigentlich d Haar la wachse?“ – Und ich erkläre dann gerne, dass die Frage aus logischer Sicht falsch gestellt ist. Ich lasse sie nicht wachsen, die wachsen von alleine. Ich denke nicht, dass es irgend einen Menschen auf der Welt gibt, der darüber eine Kontrolle hat oder in der Sache eine Wahl hat. Die richtige Frage wäre, warum ich sie nicht  (oder sehr selten) schneide(n lasse). Den Text spare ich mir aber für ein ander mal auf. Zurück zum Bergtrag… Um zu den eigentlichen Gründen zu kommen, warum ich den Bergtag wirklich gut finde möchte ich euch folgendes Bild zeigen:

bergtag

Ich finde das Bild aus mehreren Gründen genial:
1. Wie man sieht, verdient der Bergtag seinen Namen wirklich! Wenn schon wandern, dann richtig! Jeder muss gutes Schuhwerk haben und wir machen keinen Spaziergang (wie die Schulklasse einer anderen Schule, welcher wir beim Abstieg begegnet sind). Angesichts des teilweise schon etwas übertriebenen Sicherheitswahns, der unseren Alltag durchzieht, ist es schon bemerkenswert, dass man so etwas überhaupt mit einer Schulklasse noch machen kann. Ins Schwimmbad darf man ja anscheinend nicht mehr einfach so, ohne dass die Lehrer ein Rettungsschwimmerbrevet haben.
2. Da wir an einer Kantonsschule uns ja vorwiegend geistig, kognitiv fordern ist so ein Tag Bewegung sicher zwischendurch angebracht. Es ist super, dass sich die Sportlehrer für solche Bergtage einsetzen und, wie man hier sehen kann, fordernde Routen heraussuchen sowie planen. Schon der römische Dichter Juvenal sagte, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper lebt. Der Bergtag trägt dazu sicher seinen Anteil bei.
3. Wir leben an einem sehr schönen Platz auf der Erde! Die Natur, die Bergwelt einfach zu sehen und zu schätzen, die Ruhe zu geniessen und keinen Handy-Empfang zu haben; das ist doch mal schön – ein paar Stunden. Ich bin auch begeistert, dass ihr irgendwie ohne grosse Intervention eingesehen habt, dass es wirklich keine Musik aus dem Lautsprecher braucht, während man in dieser Höhe rumläuft. Wenn ihr nächstes Jahr noch einseht, dass es auch kein Bier braucht, nicht mal eines, dann könnt ich mir den Bergtag wirklich nicht mehr besser vorstellen.

Einen Tag später haben wir uns dann bereits wieder im Schulzimmer gesehen. Bei den 5. Klässlern ging es da weiterhin um Kreisbewegungen; diesmal um den Unterschied zwischen Zentripetal– und Zentrifugalkraft. Das Einzige, was den Schülern aus Erfahrung davon bis über die Matura hinaus bleibt ist, dass es die Zentrifugalkraft nicht gibt. Wenn ihr mir in 5 Jahren noch erklären könnt warum, dann habt ihr eure 50% Beitrag zum Lernen erfüllt. Meine 50% waren  die enthusiastische, anschauliche Erklärung und die Beantwortung der Fragen. Bei den 4. Klässlern ging es weiterhin um Geschwindigkeit. Auszurechnen war die Bahngeschwindigkeit der Erde um die Sonne. Und in dieser Berechnung kommt ein π vor. Das gilt jetzt für alle, nicht nur für die 4. Klässler… Leute, als Gymnasiast, als Maturaanwärter, muss man in einem Satz sagen können was π ist! „So eine mathematische Zahl…“ zählt nicht! Das folgende Bild hilft evtl. beim memorisieren des Sätzchens:

kreis-durchmesser

Die schwarze Linie (der Umfang) ist π mal grösser als die pinke Linie (der Durchmesser). Und zwar in jedem Kreis! Pi ist das Verhältnis von Umfang zu Durchmesser – in jedem Kreis. Und dann sollte man noch 3 Ziffern davon wissen. 3.14… Ich habe zwar schon bewiesen, dass man mit ein wenig tricksen auch einfach so die 88. Nachkommastelle benennen kann, aber das ist nun wirklich nicht nötig. Ausser man ist Lehrer, dann kommts schon gut an. Mit den 6. Klässler habe ich weiter Magnetfelder ausgerechnet und deren Richtungen besprochen. Ganz so einfach ist die „Rechte-Daumen-Regel“ aben nicht, wie man meinen könnte. Aber die Sachen schulen ein wenig das räumliche Vorstellungsvermögen. Eine Sache, die man z.B. beim Numerus Clausus brauchen kann, wie ein Blick in das Übungsheft verrät…